PIWI-Weine: nachhaltige Rebsorten der Zukunft

PIWI-Weine gelten als eine der spannendsten Entwicklungen im modernen Weinbau. Sie versprechen weniger Pflanzenschutz und damit nachhaltigere Weinberge. Doch was steckt wirklich hinter pilzwiderstandsfähigen Rebsorten?

25. Februar 2026

In Deutschland ist die Jahresmitteltemperatur allein zwischen 1881 und 2021 um rund 1,6 °C gestiegen. Auswirkungen hat dies auf viele Bereiche und so überrascht es nicht, dass die Folgen auch in den Weinbergen spürbar sind. Veränderte Temperaturen und Niederschlagsmuster beeinflussen direkt Reifezeitpunkte und Säurestruktur der Reben. Gleichzeitig begünstigen sie Krankheitsbefall durch Pilze, welcher traditionell regelmäßige Pflanzenschutzmaßnahmen erfordert.

Was bedeutet das für die Zukunft des Weins? Eine spannende Antwort auf diese Frage sind die sogenannten PIWI-Weinsorten

Wofür steht PIWI?

PIWI ist kurz für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Gemeint sind Reben, die deutlich widerstandsfähiger gegenüber den wichtigsten Pilzkrankheiten im Weinbau gezüchtet werden und daher signifikant weniger Pflanzenschutzmittel (Fungizide) bedürfen. Bekannte Sorten sind Souvignier Gris, Cabernet Blanc, Solaris, Johanniter, Regent, Muscaris.

Von traditionellen Sorten zu PIWI-Weinen

Befall europäischer Rebsorten

Traditionelle europäische Rebsorten wie Riesling oder Chardonnay sind genetisch der Art Vitis vinifera zuzuordnen. Diese Reben bilden die Grundlage praktisch aller klassischen Qualitätsweine, besitzen jedoch einen entscheidenden biologischen Nachteil: Sie sind von Natur aus sehr anfällig für Pilzkrankheiten wie Echter Mehltau und Falscher Mehltau, welche durch den internationalen Pflanzenhandel im 19. Jahrhundert nach Europa kamen.

Echter Mehltau (verursacht durch Erysiphe necator) befällt Blätter und Beeren mit einem mehlig-weißen Belag. Die Folge sind gestörte Photosynthese und schlechtes Beerenwachstum. Falscher Mehltau (Plasmopara viticola) zeigt sich durch gelbliche Ölflecken auf den Blättern und späteren Pilzrasen auf der Blattunterseite. Unbehandelt kann er zu massivem Blattverlust und Ertragseinbußen führen. Beide Krankheiten verbreiten sich besonders gut bei feucht-warmen Bedingungen und profitieren somit vom Klimawandel. Europäische Vitis-vinifera -Reben hatten gegen diese neuen Bedrohungen keine natürlichen Abwehrmechanismen und so ergaben dann Bemühungen, einen solchen Befall vorzubeugen, die ersten PIWI-Rebsorten. 

Blätter einer Pflanze mit sichtbarem Mehltaubefall, erkennbar an weißlich-mehligem Pilzbelag auf der Blattoberfläche.
Mit Falschem Mehltau befallene Pflanze

PIWI-Anbau als Antwort

PIWI-Reben sind nicht gentechnisch verändert. Sie entstehen durch Kreuzung von europäischen Qualitätsreben (Vitis vinifera) mit (oft amerikanischen) Wildarten (Vitis riparia oder Vitis rupestris), die evolutionär Resistenz gegen diese Krankheiten entwickelt hatten. Ziel dieser Züchtung war es, die geschmackliche Qualität traditioneller europäischer Sorten mit dieser natürlichen Resistenz zu verbinden. 

Heute machen PIWI-Weine rund 3,5% der Gesamtrebfläche Deutschlands aus und scheinen immer beliebter zu werden. Das Interesse steigt und Bestätigung fand der Trend auch 2024 durch eine EU-Kofinanzierung für ein Projekt mit dem Ziel der PIWI-Anbauförderung.

Die folgende Tabelle zeigt ein paar der bekanntesten Kreuzungen auf:

PIWI-WeinKreuzung
Cabernet Blanc (Weiß, 1993)Cabernet Sauvignon × Regent
Regent (Rot, 1967)Diana (Silvaner x Müller-Thurgau) x Chambourcin
Johanniter (Weiß, 1968)Riesling x (Seyve Villard 12-481 x (Ruländer x Gutedel))
Souvignier Gris (Weiß, 1983)Seyval Blanc x Zähringer
Solaris (Weiß, 1975Merzling x Gm6493 (Saperavi severnyi x Muscat Ottonel)
Muscaris (Weiß, 1987)Solaris X Muskateller

Falls du selbst mal nachschauen möchtest, wie sich dein Wein zusammensetzt, schau doch mal in der größten wissenschaftlichen Rebsorten-Datenbank vorbei: Vitis International Variety Catalogue (VIVC).

Warum Widerstandsfähigkeit im Weinbau so relevant ist

Weinbau macht rund 2% der landwirtschaftlichen Fläche Europas aus. Analysen schreiben ihm allerdings einen überproportional hohen Anteil von bis zu 70% des Fungizideinsatzes zu. Je nach Witterung bedeutet das für Winzer:Innen, dass sie ihre Weinberge 12-15 Mal pro Saison behandeln müssen. Diese strukturelle Anfälligkeit ist nicht nur teuer, sondern hat auch konkrete Folgen.

Ganz unmittelbar kann eine solche Behandlung auch zu Rückständen der synthetischen Pflanzenschutzmittel im Wein selbst führen. So wurden in einer 2025 veröffentlichen Studie in 94% der untersuchten Weine Rückstände nachgewiesen, teils sogar mehrerer Substanzen gleichzeitig. 

Hinzu kommt der Klimaaspekt: Während Pflanzenschutzmittel gezielt gegen Schadorganismen wirken, können Rückstände auch im Boden verbleiben und die Aktivität von Mikroorganismen beeinträchtigen. Diese Organismen spielen eine zentrale Rolle für die Funktionsfähigkeit von Böden, ausschlaggebend für die Kohlenstoffspeicherung an Land. Böden wirken nämlich als bedeutende CO₂-Senken und helfen damit, Treibhausgase aus der Atmosphäre zu binden. Jede zusätzliche Überfahrt im Weinberg erfordert außerdem Maschinenbetrieb und damit Dieselverbrauch, was wiederum direkte Treibhausgasemissionen verursacht und den ökologischen Fußabdruck des Weinbaus weiter erhöht.

Werden Rebsorten nun durch natürliche Resistenz weniger anfällig für Pilzkrankheiten, reduziert sich der Bedarf an Fungiziden erheblich. So könnte der Pflanzenschutzaufwand bei PIWI-Rebsorten je nach Standort um bis zu 50-80% gesenkt werden.  Weniger Behandlungen bedeuten dann weniger Belastung von Böden sowie weniger Überfahrten im Weinberg. 

Ganz gleich, ob ökologische, gesundheitliche oder ökonomische Aspekte im Vordergrund stehen: PIWI-Rebsorten zeigen, wie sich Weinbau weiterentwickeln kann, ohne seine Qualitätstradition aufzugeben. Wenn dich die Neugier gepackt hat und auch du dich von der Qualität der PIWI-Weine überzeugen willst, schau gerne online oder bei uns im Laden vorbei! Probieren kannst du die nachhaltigen Alternative zu traditionellen Weinsorten auch bei unseren Eventreihen!

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