In der zeitgenössischen Kunst verschwimmen die Grenzen zwischen Malerei und Objekt zunehmend. Künstler:innen wie Werner Bronkhorst verbinden flächige Bildwelten mit plastischen Elementen und schaffen so Werke, die sich zwischen Zwei- und Dreidimensionalität bewegen. Die Leinwand wird dabei nicht mehr nur Träger von Farbe, sondern selbst Teil der Form und Struktur.
Genau in diesem Spannungsfeld zwischen 2D und 3D gewinnt Strukturpaste als künstlerisches Gestaltungsmittel besondere Bedeutung.
Was ist Stukturpaste?
Strukturpaste ist der Oberbegriff für ein vielseitiges Medium in der Arbeit mit Acryl- und Mixed-Media-Techniken. Mit ihr lassen sich dreidimensionale Strukturen und Oberflächenformen schaffen, die über die klassische flache Malerei hinausgehen. Sie zeichnet sich durch eine dicke, pastöse Konsistenz aus, die nach dem Trocknen eine harte, deckende und übermalbare Oberfläche bildet.
Wofür ist Strukturpaste geeignet?
Die Palette der verfügbaren Produkte ist breit und unterscheidet sich in Körnung, Dichte und Zusammensetzung, was direkten Einfluss auf Gewicht und Haptik der Struktur der Oberfläche hat.
Einige Pasten enthalten Füllstoffe wie Kalk oder Sand, und erzeugen dadurch einen groben, haptischen Strukturcharakter, während andere auf eine feinere, glattere Textur ausgelegt sind.
Feinkörnige Versionen eignen sich besonders für subtile Strukturen, die Farbe tragen, ohne das Motiv zu dominieren. Grobkörnige Varianten hingegen erzeugen sicht- und fühlbare Oberflächen, die dem Kunstwerk mehr Tiefe und Charakter verleihen.
Spezialpasten können darüber hinaus besondere Effekte ermöglichen, etwa steinartige, mineralische oder metallisch wirkende Oberflächen. Modeling Paste, zum Beispiel, ist eine besonders dichte, formstabile Variante der Strukturpaste und eignet sich vor allem zum gezielten Modellieren von Kanten, Formen und plastischen Details.
Wie verwendet man Strukturpaste?
Strukturpaste lässt sich auf vielfältige Weise in die Bildgestaltung integrieren. Dabei sollte man beachten, dass sie im Vergleich zu vielen anderen Malmedien, wie etwa Acrylfarben, deutlich länger zum Trocknen braucht. Während bei dieser dünne Farbschichten oft innerhalb kurzer Zeit oberflächentrocken sind, benötigen strukturierte Pasten, je nach Schichtdicke, dafür mehrere Stunden bis zu einem Tag oder länger.
Die folgenden vier Anwendungsarten zeigen typische Einsatzmöglichkeiten von Strukturpaste:
Spachteltechnik
Effekt: kräftige, reliefartige Oberflächen mit sichtbaren Werkzeugspuren
Die Paste wird mit Spachtel oder Palettenmesser aufgetragen und in Schichten modelliert. Durch unterschiedliche Druckstärken, Richtungen und Bewegungen entstehen lebendige Strukturen. Die Farbe kann entweder bereits vor dem Auftragen in die Paste eingemischt werden, um farbige Reliefs zu erzeugen, oder nach dem vollständigen Trocknen auf die strukturierte Oberfläche aufgetragen werden. Letzteres betont Höhen und Tiefen besonders stark, da sich Farbe in Vertiefungen sammelt und auf Erhebungen stärker sichtbar bleibt.

Strukturpaste mixen mit Sand oder Marmormehl
Effekt: raue, mineralische oder steinartige Oberfläche
Der Strukturpaste werden Sand, Marmormehl oder andere mineralische Zusätze beigemischt. Dadurch erhöht sich die Körnung und die Oberfläche erhält einen stark haptischen Charakter. Je höher der Zusatzanteil, desto schwerer und spröder wird die Paste und sollte gegebenenfalls vorher getestet werden.
Für die Anwendung wird die Mischung mit Spachtel oder Malmesser aufgetragen und nach Wunsch geglättet oder getupft. So entstehen je nach Bewegung ruhige, steinartige Flächen oder lebendige, unregelmäßige Strukturen. Nach dem Trocknen kann die Oberfläche bemalt oder lasierend weiterbearbeitet werden, wodurch die Körnung optisch noch stärker zur Geltung kommt.

Schablonenarbeit mit Strukturpaste
Effekt: klare, erhabene Formen, gut kontrollierte Struktur
Eine Schablone wird auf die Leinwand gelegt und vorsichtig fixiert, sodass sie sich beim Auftragen der Strukturpaste nicht verschiebt. Mit einem Spachtel oder Malmesser wird die Paste gleichmäßig über die Schablone verteilt, sodass die gewünschte Dicke erreicht wird, ohne dass sie verläuft. Nach dem vorsichtigen Abheben der Schablone bleiben klare, erhabene Formen auf der Leinwand zurück. Nach dem Trocknen lassen sich die Strukturen zusätzlich bemalen, lasieren oder mit Effekten wie Metallicfarben betonen, wodurch sie noch plastischer und lebendiger wirken.

Crackle-Effekt / Rissbildung
Effekt: aufgebrochene Oberflächen wie alte Mauern oder trockene Erde
Nicht jede Paste reißt gleich, aber grundsätzliche entsteht Rissbildung durch sehr dicke Pastenschichten. Zusätzlich kann sie durch das Übereinanderlegen mehrerer noch leicht feuchter Schichten, durch Variation der Schichtstärken, durch oder Spannungen im Untergrund noch gefördert werden. Nach dem vollständigen Trocknen können die Risse gezielt mit verdünnter Farbe oder Lasuren hervorgehoben werden. Die Farbe läuft in die Vertiefungen und macht die Rissstruktur optisch deutlich sichtbar.

Strukturpaste bietet auf jeden Fall unzählige Möglichkeiten, eigene Ideen auf der Leinwand umzusetzen und neue Oberflächen zu entdecken. Wer die Techniken nicht nur nachlesen, sondern auch praktisch erleben möchte, findet bei Entkorkte Kunst neuerdings auch regelmäßig Strukturpaste-Events, bei denen verschiedene Materialien, Werkzeuge und Anwendungen in entspannter Atmosphäre ausprobiert werden können. Ein Besuch lohnt sich für alle, die Lust haben, kreativ zu werden und neue Impulse mitzunehmen.
Viel Spaß beim Experimentieren!
















