“I want to approach truth as closely as possible, and therefore I abstract everything until I arrive at the foundation.”
„Ich möchte der Wahrheit so nahe wie möglich kommen und deshalb abstrahiere ich alles, bis ich beim Fundament ankomme.“
Piet Mondrian
Portrait: Piet Mondrian
Der gebürtige Niederländer Piet Mondrian (1872–1944) gehört zu den wichtigsten Vertretern der modernen Kunst und war Mitbegründer der Künstler:Innenbewegung De Stijl. Er versuchte nicht, die sichtbare Welt abzubilden, sondern Ordnung und geistige Strukturen sichtbar zu machen. Ausgehend von einer zunächst gegenständlichen Malerei, beeinflusst unter anderem von Vincent van Gogh, dem Kubismus und der Theosophie, reduzierte er seine Kunst Schritt für Schritt auf gerade Linien und Primärfarben. In den 1920ern formulierte er daraus den Neoplastizismus, eine strenge Form abstrakter Kunst. Mit dem Vormarsch des Nationalsozialismus floh Mondrian aus Europa und ließ sich 1940 in New York nieder. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz; Broadway Boogie Woogie; und seine letzte unvollendete Komposition Victory Boogie Woogie.

Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz, 1921

Broadway Boogie Woogie,
1942-43

Victory Boogie Woogie,
1942-44
Vom Naturalismus zum Kubismus und Neoplastizismus
Piet Mondrian wurde 1872 in den Niederlanden geboren und zählt zu den wichtigsten Künstlern der abstrakten Kunst. Er studierte Malerei und Zeichnen an der Rijksakademie in Amsterdam und arbeitete zunächst als sogenannter gegenständlicher Maler: Seine Kunst zeigte zu Beginn erkennbare Dinge aus der realen Welt wie Landschaften, Kirchen, Bäume, Dünen und Windmühlen. Diese Motive stehen in der Tradition der niederländischen Malerei und bilden den Ausgangspunkt seiner späteren Entwicklung.

Mit seinem Umzug nach Paris im Jahr 1911 veränderte sich seine Kunst grundlegend. Dort traf Mondrian auf Künstler der modernen Avantgarde und kam mit dem Kubismus in Kontakt, insbesondere mit den Arbeiten von Pablo Picasso und Georges Braque, welche Dinge nicht mehr realistisch darstellten, sondern sie in einfache Formen zerlegten. Parallel dazu setzte er sich intensiv mit der Theosophie auseinander, einer spirituellen Lehre, die davon ausgeht, dass hinter der sichtbaren Welt eine universelle Ordnung existiert. Aus der Verbindung dieser Einflüsse entwickelte Mondrian den Wunsch, Strukturen und Beziehungen sichtbar zu machen.

1917 wurde Mondrian gemeinsam mit Theo van Doesburg Mitbegründer der Bewegung De Stijl. Diese niederländische Künstler:Innenbewegung wollte eine reduzierte und allgemein verständliche Formsprache schaffen, die nicht nur in der Malerei, sondern auch in Architektur, Typografie und Design Anwendung finden sollte. Später formulierte Mondrian daraus den Neoplastizismus, seine eigene Theorie abstrakter Kunst. Sie basiert auf horizontalen und vertikalen Linien, Rechtecken sowie den Primärfarben Rot, Blau und Gelb in Kombination mit Schwarz und Weiß.

Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus verließ Mondrian 1938 Paris, lebte kurz in London und emigrierte 1940 in die USA. In New York begegnete er einer neuen Form von Modernität: Die Architektur der Stadt, das Straßennetz Manhattans und vor allem Jazz- und Boogie-Woogie-Musik beeinflussten seine späten Werke, die abstrakt blieben, aber lebendiger wurden (s. Broadway Boogie Woogie und Victory Boogie Woogie). Mondrian starb 1944, sein Werk war zu diesem Zeitpunkt bereits international bekannt und prägend für die moderne Kunst.
Die Person hinter den Linien
Piet Mondrian wurde nicht zufällig zu einem Künstler der radikalen Ordnung. Er wuchs in einer calvinistisch-protestantischen Familie auf, in der Disziplin und Selbstkontrolle eine zentrale Rolle spielten. Obwohl Kunst durch Vater und Onkel früh präsent waren, war sie für ihn von Beginn an etwas Ernstes und Regelhaftes. Diese Haltung vertiefte sich durch seine intensive Beschäftigung mit der Theosophie, die von einer universellen Ordnung hinter der sichtbaren Welt ausgeht, unabhängig von persönlichen Emotionen. Kunst sollte diese Ordnung sichtbar machen.
Daraus entwickelte sich sein asketischer Lebensstil. Mondrian lebte bewusst zurückgezogen, blieb unverheiratet und reduzierte sein Leben konsequent auf das Wesentliche. Sowohl in Paris als auch später in New York lebte Mondrian extrem reduziert. Weiße Wände, kaum Möbel, und klare geometrische Strukturen. Er entfernte alles, was er als Ablenkung empfand. Berühmt ist, dass er farbige Kartons und Papierstreifen an Wänden und Möbeln anbrachte, die er immer wieder neu anordnete. Seine Wohnung funktionierte wie ein dreidimensionales Experimentierfeld, in dem er Proportionen und Farbverhältnisse testete.

Vier (Fun-)Facts über Piet Mondrian
- 1911 änderte Mondrian nicht nur seine Adresse sondern auch seinen Namen: Um internationaler aufzutreten strich er ein „a“ aus seinem Familiennamen „Mondriaan“.
- Piet Mondrian wählte bewusst nüchterne Titel wie Komposition mit Farb- oder Nummernzusatz, weil der Name eines Werks keine Geschichte erzählen, sondern den Blick ausschließlich auf Struktur und Verhältnis der Formen lenken sollte.
- Piet Mondrian gehörte in New York zum Kreis der Artists in Exile, einer Initiative, die geflüchtete europäische Künstler:Innen unterstützte.
- Mondrians Kunst begegnet uns nicht nur im Museum, sondern bis heute in Mode, Produkt- und Grafikdesign, Architektur und Popkultur. Vom ikonischen Mondrian-Kleid von Yves Saint Laurent, über Möbel und Architektur von Gerrit Rietveld, bis zu Kollektionen von Christian Louboutin und Nike.

Yves Saint Laurent, 1966

2008
Und natürlich begegnet uns Piet Mondrian auch bei der Entkorkten Kunst: Wenn du Lust hast, in die Welt der abstrakten Kunst einzutauchen, komm doch mal vorbei und probier es bei einem unserer Events der Reihe Paint like a Master zu Mondrian direkt oder anderen Künstler:Innen aus!
















