PIWI-Weine: nachhaltige Rebsorten der Zukunft

PIWI-Weine: nachhaltige Rebsorten der Zukunft

In Deutschland ist die Jahresmitteltemperatur allein zwischen 1881 und 2021 um rund 1,6 °C gestiegen. Auswirkungen hat dies auf viele Bereiche und so überrascht es nicht, dass die Folgen auch in den Weinbergen spürbar sind. Veränderte Temperaturen und Niederschlagsmuster beeinflussen direkt Reifezeitpunkte und Säurestruktur der Reben. Gleichzeitig begünstigen sie Krankheitsbefall durch Pilze, welcher traditionell regelmäßige Pflanzenschutzmaßnahmen erfordert.

Was bedeutet das für die Zukunft des Weins? Eine spannende Antwort auf diese Frage sind die sogenannten PIWI-Weinsorten

Wofür steht PIWI?

PIWI ist kurz für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Gemeint sind Reben, die deutlich widerstandsfähiger gegenüber den wichtigsten Pilzkrankheiten im Weinbau gezüchtet werden und daher signifikant weniger Pflanzenschutzmittel (Fungizide) bedürfen. Bekannte Sorten sind Souvignier Gris, Cabernet Blanc, Solaris, Johanniter, Regent, Muscaris.

Von traditionellen Sorten zu PIWI-Weinen

Befall europäischer Rebsorten

Traditionelle europäische Rebsorten wie Riesling oder Chardonnay sind genetisch der Art Vitis vinifera zuzuordnen. Diese Reben bilden die Grundlage praktisch aller klassischen Qualitätsweine, besitzen jedoch einen entscheidenden biologischen Nachteil: Sie sind von Natur aus sehr anfällig für Pilzkrankheiten wie Echter Mehltau und Falscher Mehltau, welche durch den internationalen Pflanzenhandel im 19. Jahrhundert nach Europa kamen.

Echter Mehltau (verursacht durch Erysiphe necator) befällt Blätter und Beeren mit einem mehlig-weißen Belag. Die Folge sind gestörte Photosynthese und schlechtes Beerenwachstum. Falscher Mehltau (Plasmopara viticola) zeigt sich durch gelbliche Ölflecken auf den Blättern und späteren Pilzrasen auf der Blattunterseite. Unbehandelt kann er zu massivem Blattverlust und Ertragseinbußen führen. Beide Krankheiten verbreiten sich besonders gut bei feucht-warmen Bedingungen und profitieren somit vom Klimawandel. Europäische Vitis-vinifera -Reben hatten gegen diese neuen Bedrohungen keine natürlichen Abwehrmechanismen und so ergaben dann Bemühungen, einen solchen Befall vorzubeugen, die ersten PIWI-Rebsorten. 

Blätter einer Pflanze mit sichtbarem Mehltaubefall, erkennbar an weißlich-mehligem Pilzbelag auf der Blattoberfläche.
Mit Falschem Mehltau befallene Pflanze

PIWI-Anbau als Antwort

PIWI-Reben sind nicht gentechnisch verändert. Sie entstehen durch Kreuzung von europäischen Qualitätsreben (Vitis vinifera) mit (oft amerikanischen) Wildarten (Vitis riparia oder Vitis rupestris), die evolutionär Resistenz gegen diese Krankheiten entwickelt hatten. Ziel dieser Züchtung war es, die geschmackliche Qualität traditioneller europäischer Sorten mit dieser natürlichen Resistenz zu verbinden. 

Heute machen PIWI-Weine rund 3,5% der Gesamtrebfläche Deutschlands aus und scheinen immer beliebter zu werden. Das Interesse steigt und Bestätigung fand der Trend auch 2024 durch eine EU-Kofinanzierung für ein Projekt mit dem Ziel der PIWI-Anbauförderung.

Die folgende Tabelle zeigt ein paar der bekanntesten Kreuzungen auf:

PIWI-WeinKreuzung
Cabernet Blanc (Weiß, 1993)Cabernet Sauvignon × Regent
Regent (Rot, 1967)Diana (Silvaner x Müller-Thurgau) x Chambourcin
Johanniter (Weiß, 1968)Riesling x (Seyve Villard 12-481 x (Ruländer x Gutedel))
Souvignier Gris (Weiß, 1983)Seyval Blanc x Zähringer
Solaris (Weiß, 1975Merzling x Gm6493 (Saperavi severnyi x Muscat Ottonel)
Muscaris (Weiß, 1987)Solaris X Muskateller

Falls du selbst mal nachschauen möchtest, wie sich dein Wein zusammensetzt, schau doch mal in der größten wissenschaftlichen Rebsorten-Datenbank vorbei: Vitis International Variety Catalogue (VIVC).

Warum Widerstandsfähigkeit im Weinbau so relevant ist

Weinbau macht rund 2% der landwirtschaftlichen Fläche Europas aus. Analysen schreiben ihm allerdings einen überproportional hohen Anteil von bis zu 70% des Fungizideinsatzes zu. Je nach Witterung bedeutet das für Winzer:Innen, dass sie ihre Weinberge 12-15 Mal pro Saison behandeln müssen. Diese strukturelle Anfälligkeit ist nicht nur teuer, sondern hat auch konkrete Folgen.

Ganz unmittelbar kann eine solche Behandlung auch zu Rückständen der synthetischen Pflanzenschutzmittel im Wein selbst führen. So wurden in einer 2025 veröffentlichen Studie in 94% der untersuchten Weine Rückstände nachgewiesen, teils sogar mehrerer Substanzen gleichzeitig. 

Hinzu kommt der Klimaaspekt: Während Pflanzenschutzmittel gezielt gegen Schadorganismen wirken, können Rückstände auch im Boden verbleiben und die Aktivität von Mikroorganismen beeinträchtigen. Diese Organismen spielen eine zentrale Rolle für die Funktionsfähigkeit von Böden, ausschlaggebend für die Kohlenstoffspeicherung an Land. Böden wirken nämlich als bedeutende CO₂-Senken und helfen damit, Treibhausgase aus der Atmosphäre zu binden. Jede zusätzliche Überfahrt im Weinberg erfordert außerdem Maschinenbetrieb und damit Dieselverbrauch, was wiederum direkte Treibhausgasemissionen verursacht und den ökologischen Fußabdruck des Weinbaus weiter erhöht.

Werden Rebsorten nun durch natürliche Resistenz weniger anfällig für Pilzkrankheiten, reduziert sich der Bedarf an Fungiziden erheblich. So könnte der Pflanzenschutzaufwand bei PIWI-Rebsorten je nach Standort um bis zu 50-80% gesenkt werden.  Weniger Behandlungen bedeuten dann weniger Belastung von Böden sowie weniger Überfahrten im Weinberg. 

Ganz gleich, ob ökologische, gesundheitliche oder ökonomische Aspekte im Vordergrund stehen: PIWI-Rebsorten zeigen, wie sich Weinbau weiterentwickeln kann, ohne seine Qualitätstradition aufzugeben. Wenn dich die Neugier gepackt hat und auch du dich von der Qualität der PIWI-Weine überzeugen willst, schau gerne online oder bei uns im Laden vorbei! Probieren kannst du die nachhaltigen Alternative zu traditionellen Weinsorten auch bei unseren Eventreihen!

Piet Mondrians abstrakte Kunst: die 3 bekanntesten Werke

Piet Mondrians abstrakte Kunst: die 3 bekanntesten Werke

“I want to approach truth as closely as possible, and therefore I abstract everything until I arrive at the foundation.”
„Ich möchte der Wahrheit so nahe wie möglich kommen und deshalb abstrahiere ich alles, bis ich beim Fundament ankomme.“
Piet Mondrian

Portrait: Piet Mondrian

Der gebürtige Niederländer Piet Mondrian (1872–1944) gehört zu den wichtigsten Vertretern der modernen Kunst und war Mitbegründer der Künstler:Innenbewegung De Stijl. Er versuchte nicht, die sichtbare Welt abzubilden, sondern Ordnung und geistige Strukturen sichtbar zu machen. Ausgehend von einer zunächst gegenständlichen Malerei, beeinflusst unter anderem von Vincent van Gogh, dem Kubismus und der Theosophie, reduzierte er seine Kunst Schritt für Schritt auf gerade Linien und Primärfarben. In den 1920ern formulierte er daraus den Neoplastizismus, eine strenge Form abstrakter Kunst. Mit dem Vormarsch des Nationalsozialismus floh Mondrian aus Europa und ließ sich 1940 in New York nieder. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz; Broadway Boogie Woogie; und seine letzte unvollendete Komposition Victory Boogie Woogie.


Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz, 1921
Piet Mondrians Gemälde Broadway Boogie Woogie von 1942-43 mit kleinteiligem Raster aus gelben Linien und farbigen Quadraten, inspiriert von New York und Jazzmusik.

Broadway Boogie Woogie,
1942-43


Victory Boogie Woogie,
1942-44

Vom Naturalismus zum Kubismus und Neoplastizismus

Piet Mondrian wurde 1872 in den Niederlanden geboren und zählt zu den wichtigsten Künstlern der abstrakten Kunst. Er studierte Malerei und Zeichnen an der Rijksakademie in Amsterdam und arbeitete zunächst als sogenannter gegenständlicher Maler: Seine Kunst zeigte zu Beginn erkennbare Dinge aus der realen Welt wie Landschaften, Kirchen, Bäume, Dünen und Windmühlen. Diese Motive stehen in der Tradition der niederländischen Malerei und bilden den Ausgangspunkt seiner späteren Entwicklung.

Expressionistisches Gemälde Der rote Baum von Piet Mondrian von 1908-10 mit leuchtenden Farben, frühe Phase zwischen Naturalismus und Abstraktion.
Avond Abend Der Rote Baum, 1908-10

Mit seinem Umzug nach Paris im Jahr 1911 veränderte sich seine Kunst grundlegend. Dort traf Mondrian auf Künstler der modernen Avantgarde und kam mit dem Kubismus in Kontakt, insbesondere mit den Arbeiten von Pablo Picasso und Georges Braque, welche Dinge nicht mehr realistisch darstellten, sondern sie in einfache Formen zerlegten. Parallel dazu setzte er sich intensiv mit der Theosophie auseinander, einer spirituellen Lehre, die davon ausgeht, dass hinter der sichtbaren Welt eine universelle Ordnung existiert. Aus der Verbindung dieser Einflüsse entwickelte Mondrian den Wunsch, Strukturen und Beziehungen sichtbar zu machen.

Gemälde Der graue Baum von Piet Mondrian aus dem Jahr 1911, abstrahierter Baum in Grautönen, Übergang von Gegenständlichkeit zum Kubismus.
Der graue Baum, 1911

1917 wurde Mondrian gemeinsam mit Theo van Doesburg Mitbegründer der Bewegung De Stijl. Diese niederländische Künstler:Innenbewegung wollte eine reduzierte und allgemein verständliche Formsprache schaffen, die nicht nur in der Malerei, sondern auch in Architektur, Typografie und Design Anwendung finden sollte. Später formulierte Mondrian daraus den Neoplastizismus, seine eigene Theorie abstrakter Kunst. Sie basiert auf horizontalen und vertikalen Linien, Rechtecken sowie den Primärfarben Rot, Blau und Gelb in Kombination mit Schwarz und Weiß.

Abstraktes Gemälde Tableau I von Piet Mondrian aus dem Jahr 1921 mit schwarzen Linien und rechteckigen Flächen in Blau, Gelb, Weiß und Grau, frühes Beispiel des Neoplastizismus.
Tableau I, 1921

Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus verließ Mondrian 1938 Paris, lebte kurz in London und emigrierte 1940 in die USA. In New York begegnete er einer neuen Form von Modernität: Die Architektur der Stadt, das Straßennetz Manhattans und vor allem Jazz- und Boogie-Woogie-Musik beeinflussten seine späten Werke, die abstrakt blieben, aber lebendiger wurden (s. Broadway Boogie Woogie und Victory Boogie Woogie). Mondrian starb 1944, sein Werk war zu diesem Zeitpunkt bereits international bekannt und prägend für die moderne Kunst.

Die Person hinter den Linien

Piet Mondrian wurde nicht zufällig zu einem Künstler der radikalen Ordnung. Er wuchs in einer calvinistisch-protestantischen Familie auf, in der Disziplin und Selbstkontrolle eine zentrale Rolle spielten. Obwohl Kunst durch Vater und Onkel früh präsent waren, war sie für ihn von Beginn an etwas Ernstes und Regelhaftes. Diese Haltung vertiefte sich durch seine intensive Beschäftigung mit der Theosophie, die von einer universellen Ordnung hinter der sichtbaren Welt ausgeht, unabhängig von persönlichen Emotionen. Kunst sollte diese Ordnung sichtbar machen.

Daraus entwickelte sich sein asketischer Lebensstil. Mondrian lebte bewusst zurückgezogen, blieb unverheiratet und reduzierte sein Leben konsequent auf das Wesentliche. Sowohl in Paris als auch später in New York lebte Mondrian extrem reduziert. Weiße Wände, kaum Möbel, und klare geometrische Strukturen. Er entfernte alles, was er als Ablenkung empfand. Berühmt ist, dass er farbige Kartons und Papierstreifen an Wänden und Möbeln anbrachte, die er immer wieder neu anordnete. Seine Wohnung funktionierte wie ein dreidimensionales Experimentierfeld, in dem er Proportionen und Farbverhältnisse testete.

Minimalistisch eingerichtetes Atelier von Piet Mondrian mit weißen Wänden und geometrisch angeordneten Farbflächen.
Atelier von Piet Mondrian

Vier (Fun-)Facts über Piet Mondrian

  1. 1911 änderte Mondrian nicht nur seine Adresse sondern auch seinen Namen: Um internationaler aufzutreten strich er ein „a“ aus seinem Familiennamen „Mondriaan“.
  2. Piet Mondrian wählte bewusst nüchterne Titel wie Komposition mit Farb- oder Nummernzusatz, weil der Name eines Werks keine Geschichte erzählen, sondern den Blick ausschließlich auf Struktur und Verhältnis der Formen lenken sollte.
  3. Piet Mondrian gehörte in New York zum Kreis der Artists in Exile, einer Initiative, die geflüchtete europäische Künstler:Innen unterstützte.
  4. Mondrians Kunst begegnet uns nicht nur im Museum, sondern bis heute in Mode, Produkt- und Grafikdesign, Architektur und Popkultur. Vom ikonischen Mondrian-Kleid von Yves Saint Laurent, über Möbel und Architektur von Gerrit Rietveld, bis zu Kollektionen von Christian Louboutin und Nike.

Mondrian-Kleider von
Yves Saint Laurent, 1966
Dunk Low Pro SB Piet Mondrian,
2008

Und natürlich begegnet uns Piet Mondrian auch bei der Entkorkten Kunst: Wenn du Lust hast, in die Welt der abstrakten Kunst einzutauchen, komm doch mal vorbei und probier es bei einem unserer Events der Reihe Paint like a Master zu Mondrian direkt oder anderen Künstler:Innen aus!

How to Strukturpaste: 4 einfache Techniken für Einsteiger

How to Strukturpaste: 4 einfache Techniken für Einsteiger

In der zeitgenössischen Kunst verschwimmen die Grenzen zwischen Malerei und Objekt zunehmend. Künstler:innen wie Werner Bronkhorst verbinden flächige Bildwelten mit plastischen Elementen und schaffen so Werke, die sich zwischen Zwei- und Dreidimensionalität bewegen. Die Leinwand wird dabei nicht mehr nur Träger von Farbe, sondern selbst Teil der Form und Struktur.

Genau in diesem Spannungsfeld zwischen 2D und 3D gewinnt Strukturpaste als künstlerisches Gestaltungsmittel besondere Bedeutung.

Was ist Stukturpaste?

Strukturpaste ist der Oberbegriff für ein vielseitiges Medium in der Arbeit mit Acryl- und Mixed-Media-Techniken. Mit ihr lassen sich dreidimensionale Strukturen und Oberflächenformen schaffen, die über die klassische flache Malerei hinausgehen. Sie zeichnet sich durch eine dicke, pastöse Konsistenz aus, die nach dem Trocknen eine harte, deckende und übermalbare Oberfläche bildet. 

Wofür ist Strukturpaste geeignet?

Die Palette der verfügbaren Produkte ist breit und unterscheidet sich in Körnung, Dichte und Zusammensetzung, was direkten Einfluss auf Gewicht und Haptik der Struktur der Oberfläche hat. 

Einige Pasten enthalten Füllstoffe wie Kalk oder Sand, und erzeugen dadurch einen groben, haptischen Strukturcharakter, während andere auf eine feinere, glattere Textur ausgelegt sind. 

Feinkörnige Versionen eignen sich besonders für subtile Strukturen, die Farbe tragen, ohne das Motiv zu dominieren. Grobkörnige Varianten hingegen erzeugen sicht- und fühlbare Oberflächen, die dem Kunstwerk mehr Tiefe und Charakter verleihen. 

Spezialpasten können darüber hinaus besondere Effekte ermöglichen, etwa steinartige, mineralische oder metallisch wirkende Oberflächen. Modeling Paste, zum Beispiel, ist eine besonders dichte, formstabile Variante der Strukturpaste und eignet sich vor allem zum gezielten Modellieren von Kanten, Formen und plastischen Details.

Wie verwendet man Strukturpaste?

Strukturpaste lässt sich auf vielfältige Weise in die Bildgestaltung integrieren. Dabei sollte man beachten, dass sie im Vergleich zu vielen anderen Malmedien, wie etwa Acrylfarben, deutlich länger zum Trocknen braucht. Während bei dieser dünne Farbschichten oft innerhalb kurzer Zeit oberflächentrocken sind, benötigen strukturierte Pasten, je nach Schichtdicke, dafür mehrere Stunden bis zu einem Tag oder länger. 

Die folgenden vier Anwendungsarten zeigen typische Einsatzmöglichkeiten von Strukturpaste:

Spachteltechnik

Effekt: kräftige, reliefartige Oberflächen mit sichtbaren Werkzeugspuren

Die Paste wird mit Spachtel oder Palettenmesser aufgetragen und in Schichten modelliert. Durch unterschiedliche Druckstärken, Richtungen und Bewegungen entstehen lebendige Strukturen. Die Farbe kann entweder bereits vor dem Auftragen in die Paste eingemischt werden, um farbige Reliefs zu erzeugen, oder nach dem vollständigen Trocknen auf die strukturierte Oberfläche aufgetragen werden. Letzteres betont Höhen und Tiefen besonders stark, da sich Farbe in Vertiefungen sammelt und auf Erhebungen stärker sichtbar bleibt.

Spachteltechnik mit Strukturpaste: pastöse Acrylmasse wird mit Malspachtel reliefartig auf Leinwand aufgetragen
Hallo, ich bin ein Ttest.

Strukturpaste mixen mit Sand oder Marmormehl

Effekt: raue, mineralische oder steinartige Oberfläche

Der Strukturpaste werden Sand, Marmormehl oder andere mineralische Zusätze beigemischt. Dadurch erhöht sich die Körnung und die Oberfläche erhält einen stark haptischen Charakter. Je höher der Zusatzanteil, desto schwerer und spröder wird die Paste und sollte gegebenenfalls vorher getestet werden.

Für die Anwendung wird die Mischung mit Spachtel oder Malmesser aufgetragen und nach Wunsch geglättet oder getupft. So entstehen je nach Bewegung ruhige, steinartige Flächen oder lebendige, unregelmäßige Strukturen. Nach dem Trocknen kann die Oberfläche bemalt oder lasierend weiterbearbeitet werden, wodurch die Körnung optisch noch stärker zur Geltung kommt.

Strukturpaste mit Sand oder Marmormehl: körnige, starke Oberflächenstruktur mit rauem Relief-Effekt auf Leinwand

Schablonenarbeit mit Strukturpaste

Effekt: klare, erhabene Formen, gut kontrollierte Struktur

Eine Schablone wird auf die Leinwand gelegt und vorsichtig fixiert, sodass sie sich beim Auftragen der Strukturpaste nicht verschiebt. Mit einem Spachtel oder Malmesser wird die Paste gleichmäßig über die Schablone verteilt, sodass die gewünschte Dicke erreicht wird, ohne dass sie verläuft. Nach dem vorsichtigen Abheben der Schablone bleiben klare, erhabene Formen auf der Leinwand zurück. Nach dem Trocknen lassen sich die Strukturen zusätzlich bemalen, lasieren oder mit Effekten wie Metallicfarben betonen, wodurch sie noch plastischer und lebendiger wirken.

Schablonenarbeit mit Strukturpaste: gleichmäßige Rillen und Muster entstehen durch das Auftragen über eine Schablone

Crackle-Effekt / Rissbildung

Effekt: aufgebrochene Oberflächen wie alte Mauern oder trockene Erde

Nicht jede Paste reißt gleich, aber grundsätzliche entsteht Rissbildung durch sehr dicke Pastenschichten. Zusätzlich kann sie durch das Übereinanderlegen mehrerer noch leicht feuchter Schichten, durch Variation der Schichtstärken, durch oder Spannungen im Untergrund noch gefördert werden. Nach dem vollständigen Trocknen können die Risse gezielt mit verdünnter Farbe oder Lasuren hervorgehoben werden. Die Farbe läuft in die Vertiefungen und macht die Rissstruktur optisch deutlich sichtbar.

Crackle-Effekt mit Strukturpaste: kontrollierte Rissbildung für vintageartige, dreidimensionale Textur auf Leinwand

Strukturpaste bietet auf jeden Fall unzählige Möglichkeiten, eigene Ideen auf der Leinwand umzusetzen und neue Oberflächen zu entdecken. Wer die Techniken nicht nur nachlesen, sondern auch praktisch erleben möchte, findet bei Entkorkte Kunst neuerdings auch regelmäßig Strukturpaste-Events, bei denen verschiedene Materialien, Werkzeuge und Anwendungen in entspannter Atmosphäre ausprobiert werden können. Ein Besuch lohnt sich für alle, die Lust haben, kreativ zu werden und neue Impulse mitzunehmen.

Viel Spaß beim Experimentieren!