Aquarell für Einsteiger: Dein kompakter Start in eine faszinierende Maltechnik
Warum Aquarell so besonders ist
Aquarell lebt von Transparenz, Licht und dem Zusammenspiel aus Wasser und Pigment. Anders als bei deckenden Farben entsteht Helligkeit meist nicht durch „Weiß malen“, sondern durch das bewusste Stehenlassen des Papiers. Genau das macht Aquarell so leicht, atmosphärisch und zugleich anspruchsvoll: Du arbeitest weniger mit Korrekturen, dafür mehr mit Planung, Schichtaufbau und Timing.
Das wichtigste Prinzip: Das Papier ist dein „Weiß“
Helle Highlights entstehen, indem du Flächen aussparst oder sehr dünn lasierst. Je besser du das Papierweiß einbindest, desto frischer wirken Farben und Lichter.
Typischer Aquarell-Look
transparente Farbschichten (Lasuren)
weiche Übergänge durch Wasserverlauf
sichtbare Pinselstruktur und lebendige Kanten
Grundausstattung: Was du wirklich brauchst
Für den Einstieg gilt: lieber wenige, verlässliche Materialien als zu viel, das dich überfordert.
Papier: Die wichtigste Entscheidung
Aquarellpapier beeinflusst Ergebnis und Frustlevel stärker als jede Farbe.
Empfehlung für Einsteiger
ab ca. 300 g/m², damit es sich weniger wellt
gerne „rau“ oder „kaltgepresst“ für gute Wasserführung
Warum dünnes Papier schwierig ist
Dünnes Papier wellt, trocknet ungleichmäßig und verzeiht Korrekturen schlechter. Das erschwert Verläufe und saubere Kanten.
Farben: Klein starten, sauber mischen
Ein kleiner Farbkasten reicht. Entscheidend ist, dass die Farben gut mischbar sind und nicht sofort stumpf werden.
Eine gute Basis-Palette
ein warmes Gelb, ein kühles Gelb
ein warmes Rot, ein kühles Rot
ein warmes Blau, ein kühles Blau Damit kannst du sehr viele Mischungen abdecken, ohne „Matsch“ zu produzieren.
Pinsel: Zwei Stück sind oft genug
Rundpinsel mit Spitze (Allrounder für Linien, Flächen, Details)
größerer Pinsel für Hintergründe und Waschungen
Zubehör, das dir das Leben leichter macht
zwei Wassergefäße (eins zum Auswaschen, eins für klares Wasser)
Küchenpapier/Lappen (zum Abtupfen und Steuern der Feuchtigkeit)
Mischpalette (weiß, damit du Werte gut siehst)
Wasser verstehen: Der eigentliche Schlüssel
Aquarell ist weniger „Farbe auftragen“ und mehr „Feuchtigkeit steuern“. Deine Kontrolle hängt von drei Zuständen ab.
Die drei Feuchtigkeitszustände
Trocken
harte Kanten
klare Formen
gut für Details und Konturen
Feucht
kontrollierte weiche Übergänge
ideal für Schatten, sanfte Modellierung
Nass
starke Verläufe und „Fließen“
perfekt für Himmel, Hintergründe, organische Strukturen
Timing: Der unterschätzte Skill
Viele typische Probleme entstehen, wenn man zu früh in eine noch feuchte Fläche hineinarbeitet. Wenn du unsicher bist: kurz warten, testen, dann weiter.
Die wichtigsten Techniken für Einsteiger
Wenn du diese Techniken beherrschst, kannst du nahezu jedes Motiv aufbauen.
Nass-in-Nass
Du befeuchtest das Papier und gibst Farbe in die nasse Fläche. Die Pigmente verlaufen weich und erzeugen natürliche Übergänge.
Ideal für
Hintergründe, Himmel, Wolken
Blüten, organische Strukturen
atmosphärische Flächen
Häufiger Fehler
Zu viel Wasser erzeugt Pfützen; beim Trocknen entstehen ungewollte Ränder.
Nass-auf-Trocken
Du malst auf trockenes Papier. Das gibt dir definierte Kanten und mehr Kontrolle.
Ideal für
klare Formen, Architektur, Konturen
Schichtenaufbau, wenn darunter bereits etwas liegt
Details am Schluss
Lasieren: Tiefe durch Schichten
Lasuren sind dünne, transparente Farbschichten, die du erst aufträgst, wenn die vorherige Schicht vollständig trocken ist.
Wofür du Lasuren nutzt
Schatten aufbauen, ohne alles zu verdunkeln
Farbstimmung verändern (z. B. warm/kühl)
Tiefe im Bild erzeugen
Farben mischen ohne „Matsch“
Einsteiger mischen oft zu viele Pigmente, bis die Farbe stumpf wirkt. Wenige, klare Mischungen führen meist zu schöneren Ergebnissen.
Drei Regeln für sauberes Mischen
1) Weniger Pigmente pro Mischung
Zwei Farben reichen häufig. Drei werden schnell matt.
2) Erst Wert, dann Farbton
Überlege zuerst: Wie hell oder dunkel soll es sein? Dann erst, ob es wärmer oder kühler wird.
3) Palette und Papier verhalten sich unterschiedlich
Auf dem Papier mischen Farben oft lebendiger als auf der Palette. Teste kleine Proben am Rand.
Typische Anfängerprobleme und schnelle Lösungen
Hier sind die Klassiker – und was du direkt dagegen tun kannst.
Problem: Unkontrollierte „Blüten“ und Rückläufer
Ursache
Wasser oder sehr nasse Farbe trifft auf eine Fläche, die gerade antrocknet.
Du malst nicht das Objekt, sondern die Fläche drumherum. Das ist extrem effektiv bei Blättern, Zweigen und Highlights.
Licht & Schatten
Ein klares Lichtkonzept macht selbst einfache Motive überzeugend.
Fazit: Was du dir am Anfang merken solltest
Aquarell ist Planung plus Loslassen: Du steuerst Wasser und Schichten – und akzeptierst, dass das Medium mitgestaltet. Wenn du Papierweiß schützt, Feuchtigkeit bewusst einsetzt und in Lasuren denkst, hast du die wichtigsten Grundlagen, um schnell sichtbar besser zu werden.
Du möchtest mit dem Malen anfangen? Lies dafür gerne meinen ersten Artikel dieser Einsteigerseriehier. Wie dort beschrieben ist es super wichtig, das Sehen und die Wahrnehmung zu verstehen. Hand in Hand mit dem Sehen geht die Farbe. Dieser wollen wir uns im folgenden Annehmen.
Kunterbunt oder alles bläulich
Farben haben die Macht, deinem Bild die Ästhetik zu verleihen, die es ausdrücken soll. Sie schaffen Eigenschaften, Gefühle und können lenken. Die Farbwirkung ist wichtig und verleiht deinem Bild,wie alle Gestaltungselemente einen Charakter.
Der Charakter einer Farbe
Unsere Erziehung, unsere Umwelt und auf Fälle die Natur formen unsere Empfindung für Farbeigenschaften. Jeder hat eine andere Lieblingsfarbe - manchmal aus guten Gründen, manchmal einfach weil es sich richtig anfühlt. Wenn du in deiner Kindheit in einem Haus gelebt hast, in dem alles grün war, wirst du eventuell grün mit etwas positivem verknüpfen. War deine Schule in einem Hellblau, kannst du diesen Kolorit möglicherweise nicht ausstehen.
Solche Einflüsse passieren unterbewusst und manchmal weißt du nicht mehr, wieso du so empfindest. Die Natur prägt unsere Farbempfindung am Stärksten. Die Sonne ist gelb, orange, weshalb wir diese Töne als warm empfinden. Der Nordpol ist (noch) weiß und blau, daher wirken diese kalt. Wäre die Sonne blau, würden wir vielleicht Blau als Warm empfinden. Grün ist vitalisierend wie die Natur und so gibt es für viele Töne charakteristische Eigenschaften.
Wie mische ich?
Grundsätzlich kannst du aus den drei Grundfarben alle weiteren Farbtöne mischen. Mit Weiß und Schwarz kannst du alle Farben noch erhellern oder verdunklern zu Weiteren. Die Grundfarben sind Gelb, Blau und Rot. Aus diesen sogenannten Primärfarben lässt sich alles mit gewissem Know-How mischen. Dieses Farbkreismodell von Johannes Itten zeigt sehr schön, welche Töne was ergeben.
Farbkreis von Itten
Beispielweise ergibt Blau und Gelb Grün. Mischst du dieses Grün mit Blau erhältst du Türkis. Rot und Blau ergeben Violett. Gelb und Rot wird zu Orange. Hellorange erhältst du durch Orange und Gelb oder Rot und der doppelten Menge an Gelb. Damit du die richtigen Farbtöne erhältst, mische immer im 1:1-Verhältnis. Mit Weiß und Schwarz kannst du die Töne in ihrer Helligkeit verändern.
Spielen mit Farbkontrasten
Violett als Ergebnis von Rot und Blau liegt im Farbkreis gegenüber von Gelb. Diese Kombination nennt man Komplementärfarben. Das Gleiche gilt für Grün und Rot oder Blau und Orange. Komplementärkontraste haben eine starke Wirkung, weil sie zusammen die Grundfarben ausmachen. Violett bestehend aus Rot und Blau wird durch Gelb ergänzt. Violette Hintergründe mit gelber Schrift können interessante Wirkungen erzeugen. Damit kann man immer spielen.
Acryl-, Ölfarbe & co
Wir bei Entkorkte Kunst nutzen Acrylfarbe. Acryl ist anfängerfreundlich, trocknet schnell und geht in einem kurzen Zeitrahmen noch von Kleidung ab. Acryl eignet sich also super um anzufangen. Du bekommst Acryltuben schon für wenige Euros und kannst sie ohne Probleme mit Wasser verdünnen, weil Acryl wasserlöslich ist. Dadurch erhältst du Pastelltöne, mit denen du zarte und helle Bilder malen kannst.
Acryl wird auch oft von großen Künstlern genutzt. Von Ölfarbe hast du sicherlich auch schon gehört. Ölfarbe ist eine tolle Substanz, um zu malen. Wenn du "Fehler" machst, kannst du ohne Probleme korrigieren, weil sie wie eine Paste ist, die du gut bearbeiten kannst. Dadurch dass Öl mehrere Tage braucht, um zu trocknen, kannst du sehr lange überarbeiten und hast Zeit. Du kannst immer noch nach Stunden alles verwischen. Das kann manchmal auch ein Problem sein, wenn das aus Versehen passiert. Öl ist meist teurer als Acryl und wird generell eher in kleineren Tuben verkauft. Das ist aber kein Problem, weil du mit wenig Auftrag viel erreichen kannst.
Wir bieten auch Aquarellkurse an. Falls du in der Schule mit Wasserfarben gemalt hast, kannst du dir Aquarell so ähnlich vorstellen. Die verschiedenen Farbtöne sind in Näpfchen, die du mit Wasser aufbereiten kannst. Das Prinzip ist einfach. Umso mehr Wasser zu hinzufügst, umso geringer die Intensität des Kolorit auf dem Bild, willst du einen stärkeren Ton, nutze weniger Wasser. Cool an Aquarell ist, dass du selbst nach der Trocknung auf dem Papier die Farbe wieder mit Wasser löslich machen und Fehler korrigieren kannst. Für Aquarell eignet sich spezielles Aquarellpapier, da du sehr nass arbeitest und sich sonst das Papier wellt oder ausfranst. Meistens hat es eine glatte und eine raue Seite, die du unterschiedlich nutzen kannst.
Wenn du Lust bekommen hast, dich bunt auszutoben und mit Acryl vertraut zu werden, komm gern zu unseren Events vorbei und genieße bei einer Session Malen inklusive guter Weinprobe. Wir freuen uns auf dich!
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Du möchtest mit dem Malen anfangen? Lies dafür gerne meinen ersten Artikel dieser Einsteigerseriehier. Wie dort beschrieben ist es super wichtig, das Sehen und die Wahrnehmung zu verstehen. Wer zeichnen lernen will, möchte immer Dreidimensionalität auf einem zweidimensionalen Medium vortäuschen. Dafür muss die Wahrnehmung verstanden werden. Hand in Hand mit dem Sehen geht das Spiel von Licht und Schatten. Diesem wollen wir uns im Folgenden annehmen.
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Licht und Schatten führen zur Räumlichkeit
Viele Malanfänger vergessen das Hinzufügen von Licht und Schatten - ein fataler Fehler. Dieses Zusammenspiel bildet die Räumlichkeit von Objekten, Räumen, Faltenwürfen und Landschaften. Sie hauchen das Leben ein und ohne dieses Spiel der Beiden, wirkt es nur zweidimensional.
Nachts sind alle Katzen grau
Um die Rolle von Licht für das Malen zu verstehen, solltest du dich mit dessen Abwesenheit auseinandersetzen. Wenn die Sonne untergangen ist und du nicht zwischen Straßenlaternen stehst, wird es zappenduster. Du siehst nichts mehr. Ganz logisch eigentlich, aber was heißt das? Die Stadt ist ja immer noch da, der Stuhl steht auch noch und ist immer noch braun. Es ist ja trotzdem noch alles da. Das bestätigt die Wichtigkeit von Licht und Schatten. Wenn die Sonne wieder aufgeht, taucht das Licht in alles ein und reflektiert die entsprechenden Farben. Da wo die Sonne nicht direkt einstrahlen kann, entsteht Schatten. Klare Kanten schaffen klare Schattenwürfe, gebogene Flächen fächern die Schattierung.
Schlag/- Kernschatten und Lichtreflexion
Wie bei dem Bild oben werfen die Säulen einen sogenannten Schlagschatten. Dieser befindet sich nicht selbst an den Säulen, sondern am Boden, eben da, wo das Licht nicht hinkommt. Wie eine Schablone lässt die Säule genau dort nichts durch. Das, wo die Sonne nicht an die Säule kommt, nennt man Kernschatten und entsteht dadurch, dass das Sonnenlicht keine Kurve fahren kann und dort nicht eintauchen kann. Die Säule wird dort nicht genug reflektiert. Trifft Sonnenlicht senkrecht auf eine Fläche wird sie - abhängig von der Textur und Farbe - stark reflektiert. An diesen Stellen werden Lichtreflexe gesetzt, die Räumlichkeit erzeugen.
Ohne diese Faktoren wäre das Bild ein Kreis, keine Kugel. Wer Räumlichkeit erzeugen will, muss das Licht-Schatten-Spiel beherrschen.
Welche Farbe hat Schatten?
Welche Farbe Schatten hat, hängt davon ab, welche Farbe das Objekt bei normaler Lichteinstrahlung hat. Wenn du einen roten Stuhl schattieren willst, schattierst du ihn mit dunkleren Rottönen. Grundsätzlich ist der Schatten der kleiner Bruder der Nacht. Und nachts ist alles schwarz. Durch die Lichtreflektionen der Umgebung erhält auch ein Schatten geringes Licht und einige Farben werden immer reflektiert. Deswegen mische etwas Schwarz zu der eigentlichen Farbe und du erhältst eine gute Schattenfarbe.
Das Rad nicht neu erfinden
In Zeiten des Internets, KI und co. ist das Malenlernen einfach. Ein Besuch ins Museum kann aber auch helfen. Wie haben die großen Meister, die Plastizität erzeugt? Man kann sich bei stellenden Fragen, immer an bestehenden Werken orientieren.
Übung Fotografie
Bevor du anfängst zu zeichnen, schnapp dir eine Kamera oder dein Smartphone. Jetzt werden Fotos gemacht. Je nach Wetter kannst du verschiedene Herangehensweisen ausprobieren. Im Sommer solltest du die Sonne nutzen und dich vor die Tür begeben. Gehe durch die Straßen und schau dir an, wie der Schatten von den Häusern, Laternen, Mülleimern, Schildern und anderen Objekten fällt. Fotografiere diese von verschiedenen Winkeln. Mal von der Sonnenseite, mal gegen die Sonnenseite. Damit übst du auch gleichzeitig das Verständnis von Perspektive. Wenn die Sonne nicht draußen ist, kannst du die Übung auch bequem von zuhause aus machen. Nutze dafür Lampen, die du bewegen kannst. Such dir ein Möbelstück oder etwas kleineres aus. Beispielsweise eine Tasse oder eine Gabel. Vom Prinzip machst du nun dasselbe. Fotografieren aus verschiedenen Blickwinkeln abbilden und die Lichtquelle verändern. Du kannst beispielsweise die Tasse am selben Ort stehen lassen. Und eine Fotoserie machen, wie der Schatten sich verändert, wenn du die Lichtquelle rotierst. Schaue dir die Bilder an. Wie wichtig, die Anschauung für das Verstehen von Existenz und Nachahmung ist, haben wir in dem oben verlinkten Artikel erfahren. Danach kannst du zur nächsten Übung übergehen.
Übung Zeichnen
Um deine malerischen Fähigkeiten zu schulen, empfehle ich dir ein Objekt zu suchen, das geometrisch ist. Beispielsweise eine Box oder ein Zylinder. Stelle die Lichtquelle an eine Stelle und schaue dir die Lichtverhältnisse genau an. Dann zeichne das Objekt damit. Anschließend veränderst du die Lichtquelle. Entweder stellst du die Lampe auf eine andere Seite oder du rotierst das Objekt so, dass der Schatten anders fällt. Dann wieder zeichnen. Viel Spaß!
Du möchtest mit dem Malen anfangen? Lies dafür gerne meinen ersten Artikel dieser Einsteigerserie hier. Wie dort beschrieben ist es super wichtig, das Sehen und die Wahrnehmung zu verstehen. Hand in Hand mit dem Sehen geht die Perspektive. Dieser wollen wir uns im folgenden Annehmen.
Eine Erfindung deiner Augen
"Verstehst du meine Perspektive?", "Die Arbeit gab mir einen Perspektivwechsel", "Aus dieser Perspektive sehen die Menschen so klein aus" - dieses Wort ist bekannt und handelt meistens darüber, eine subjektive Ansichtsweise verschiedener Menschen zu erkennen. Nicht nur im Zwischenmenschlichen, sondern auch in der Optik ist sie subjektiv auf zweierlei Arten.
Wenn Fabienne vor dem Haus steht, sieht sie ein Haus mit einer Haustür, aber nicht den Garten. Wenn Carlos hinter dem Haus steht, sieht er den Garten, aber nicht die Haustür. Das leuchtet schnell ein, wenn es aber dann in die Praxis geht, wird es komplex. Jeder Betrachtungswinkel ermöglicht den Fokus auf etwas, während es andere Aspekte versteckt. Wer sich für eine Ansicht entscheidet, muss immer auf einen Teil der Gesamtheit verzichten. Du kannst nicht das Haus mit Garten malen und gleichzeitig die Haustür mit abbilden.
Aber wieso ist sie eine "Erfindung deiner Augen"? Wir haben ja bereits in diesem Artikel darüber gesprochen, dass du dein Auge schulen sollest und man oft das malt, was man kennt, nicht das, was man sieht. Am deutlichsten wird das Beispiel an einem quadratischen Block. Du weißt, dass bei einem quadratischen Block jede Seite gleichlang ist. Grundsätzlich wäre es jetzt richtig, diesen Block zu zeichnen und alle Seiten gleichlang zu machen.
Du wirst aber schnell sehen, dass das komisch aussieht bzw. dass es nun wie ein rechteckiger Block aussieht. Denn die Perspektive sorgt für eine Verkürzung der Seiten, die nach hinten laufen. Wir wollen also lernen, wie unsere Augen sehen. Oft vergessen wir, dass unsere Wahrnehmung menschlich ist und andere Tiere die Welt in ihren Sinnesorganen ganz anders erzeugen.
Der Fluchtpunkt
Klingelt da was? Das Thema Fluchtpunkt wird irgendwann im Verlaufe der Schulzeit behandelt und ist elementar. Auf den Fluchtpunkt laufen fast alle parallel waagerechte Linien von Objekten zu. Senkrechte Linien bleiben meistens senkrecht. Bei dem Quadrat verlaufen die drei Seiten auf den Fluchtpunkt nach oben rechts zu. Je nach dem wie du stehst und Objekte angeordnet sind, kann es bis zu drei Fluchtpunkte geben und der Fluchtpunkt muss nicht zwingend auf dem Bild sein. Die Fluchtpunktlinien können auch außerhalb des Bildes zusammentreffen.
Die Zentralperspektive - ein Klassiker
Hier gibt es nur einen einzigen Fluchtpunkt. An geometrischen Objekten wie Räume, Korridore oder Gassen erkennt man sie am besten.
Die Frontansicht sowie die Rückseite verzehren sich nicht und bleiben standhaft. Nur die Linien, die von dir weglaufen, verlaufen zum Fluchtpunkt.
Zweipunkt Perspektive
Bei dieser Ansicht gibt es zwei Fluchtpunkte. Meistens ergeben sich diese daraus, dass du keine Frontansicht hast, sondern nur eine Frontlinie an der zwei Seiten "abfallen". Auch hier bleiben senkrechte Linien senkrecht und verzehren sich nicht. Die waagerechten Linien links von der Frontlinie laufen zum linken Fluchtpunkt, während die auf der rechten Seiten zum rechten Fluchtpunkt verlaufen.
Vogel- und Froschperspektive
Hierbei wird deine Höhe als Betrachter*In mit einbezogen. Bisher standest du immer auf Höhe des Fluchtpunkts. Der Vogel schaut von oben auf das Objekt. Der Frosch schaut von unten auf das Objekt. Hier gibt es drei Fluchtpunkte und je nach Blick verzehren sich alle Linien auf verschiedene Fluchtpunkte.
Sie ist ähnliche wie die Zwei-Punkt-Perspektive. Es gibt zwei "abfallende" Seiten und je nach Seite laufen die Linien auf den zugehörigen Fluchtpunkt. Was dazu kommt, sind die Verzehrungen der Vertikalen. Bisher waren diese immer standfest. In der Froschperspektive sitzt der dritte Fluchtpunkt oben, die anderen unten auf einer Höhe. Mit der Vogelperspektive dreht sich das Ganze und der dritte Fluchtpunkt befindet sich unten.
Die waagerechten Linien werden nun abschließend an die Fluchtlinien angepasst und verbunden. Diese gehen nicht auf die Fluchtlinien zu.
Mit diesem Wissen könnt ihr direkt loslegen. Schnappt euch eine Hafermilchtüte oder eine Streichholzschachtel und zeichnet sie aus verschiedenen Betrachtungswinkeln. Ihr könnt auch erstmal durch die Welt gehen und an Bauwerken, Räumen und Objekten diese Perspektiven erkennen üben. Viel Spaß dabei!
Das letzte Mal hattest du einen Pinsel im Kunstunterricht in der Hand? Oder beim Schminken heute morgen? Du kannst nicht malen, würdest aber gerne anfangen? Dann bleib dran, ich gebe dir einfache Anfängertipps, wie du heute noch anfangen kannst.
Als erstes solltest du wissen, dass wirklich jeder Malen lernen kann. Wenn du nie Lesen gelernt hättest, würdest du hier nur Hieroglyphen sehen. Wenn du nie Gitarre spielen lernst, wirst du niemals "Smoke on the water" spielen können. Was ich damit sagen will: Wenn du es nicht übst und lernst, kannst du natürlich nicht malen. Das heißt auch, dass du nicht mit Talent gesegnet sein musst. Es gibt immer diese eine Person, die nach einer kurzen Erklärung ein Gitarrensolo hinlegt oder die beim zweiten Anlauf einen Caravaggio hinlegt. Aber bleiben wir mal realistisch. Die meisten bekannten Künstler haben jahrelange Ausbildungen bei einem Meister genossen oder viele Stunden mit Selbststudien verbracht.
Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen. Das Schöne heutzutage ist, dass Kunst nicht mehr an dem handwerklichen Geschick gemessen wird. Früher war ein guter Künstler jemand, der sehr realistisch bzw. naturalistisch malen konnte.
Realistisch malen = Kunst?
Heute definiert sich Kunst ganz anders. Sicherlich standest du schon einmal vor einem Gemälde und hast dich gefragt: "Wieso ist das Kunst?... Das kann ich doch auch". Was Kunst ist, ist super individuell und es gibt keine richtigen Regeln oder Stichpunkte, die abgehakt werden und dann ein Werk als Kunst validieren.
Kunst heute beschäftigt sich vielmehr mit der Frage: Wie nimmt jemand die Welt wahr? Wie wird sie interpretiert? Wie wird mit Gedanken gespielt und soll immer zum Nachdenken oder der Auseinandersetzung damit dienen. Schön und naturalistisch ist Schnee von gestern. Das kann dir zu gute kommen, gerade wenn du am Anfang stehst. Manchmal soll der Kreis, vor dem du stehst, dich einfach über seine Existenz und Rolle, in die er eingebettet ist, nachdenken lassen.
Ich möchte aber realistisch malen lernen
Wenn du mehr Interesse daran hast, realistisch malen zu lernen, als "nur" kreativ zu malen, solltest du als Erstes eins verstehen: Was sehe ich eigentlich? Das klingt erstmal super banal, hat aber seinen Grund. Wir alle kennen Karate Kid. Bevor Dre die ersten richtigen Karatestunden bekommt, wird er mit "unsinnigen" Aufgaben darauf vorbereitet. So ähnlich ist das mit der Wahrnehmung und der Malerei. Mit dem Verständnis von dem, was man wirklich sieht, werden die Grundtechniken für das realistische Malen geprägt. Dabei ist die Wiedergabe von dem, was man sieht oder von dem, was gesehen werden soll, gemeint.
Typische Anfängerfehler, die jeder macht
Kinderzeichnung von Schuschende aus den 2000ern
Ein Grund, wieso ich die Wahrnehmung so stark hervorhebe, liegt daran, dass das einer der ersten Fehler ist, die gemacht werden. Vielleicht erinnerst du dich an deine ersten Zeichnungen als Kind. Das Landschaftsbild mit dem Himmel oben, dem Grass unten, vielleicht noch einer Blume und der Sonne in der Ecke. Ein Klassiker. Hier rechts seht ihr genauso ein Bild, was ich als Kind gezeichnet habe. Was können wir von diesem Bild lernen?
Erstens habe ich damals das gemalt, was ich weiß und nicht das, was ich sehe. Ich weiß, dass der Himmel oben ist und der Boden unten. Deswegen habe ich das auch so gemalt. Himmel oben, Boden unten. Aber das, was ich wirklich sehe, habe ich nicht gemalt. Vergleicht man so ein Bild mit einem Gemälde von einem großen Künstler, erkennt man den Unterschied.
Der Himmel ist nicht nur oben, sondern füllt den gesamten Hintergrund. Da wo keine Landschaft ist, keine Bäume oder Häuser stehen, ist Himmel. Das kannst du mit einem Blick aus dem Fenster selbst überprüfen. Der Himmel hört am Horizont auf.
Genau da setzt die Schulung der Wahrnehmung an. Wer sich mit dem, was er sieht, wirklich auseinandersetzt wird mehr das malen, was er sieht, als das, was er weiß. Denn naturalistisch Malen hat vielmehr damit zu tun, das Sehen zu imitieren als das technische Darstellen eines Objektes.
Auf deinem Weg Objekte abzubilden, wirst du immer wieder auf das Thema "die Wahrnehmung schulen" zurückkommen. Wenn du jetzt durch den Alltag gehst, denke immer daran: Was sehe ich eigentlich? Wie verändert sich die Wahrnehmung, wenn ich mich anders positioniere? Du wirst schnell merken, wie dir immer mehr Details auffallen. Im nächsten Artikel werden wir mit der Perspektive weitermachen. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der verstanden werden muss, um realistisch malen zu lernen. Klicke hier, um weiterzulesen.